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E-Gitarre

Gitarre selber bauen: Bausatz oder von null?

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Gitarrenbausatz oder kompletter Selbstbau: was in einem Kit steckt, welche Werkzeuge du brauchst, wie lange es dauert und woran die meisten Projekte scheitern.

Gitarre selber bauen: Bausatz oder von null?

Gitarre selber bauen: zwei sehr verschiedene Projekte

„Gitarre selber bauen” meint in der Praxis zwei völlig unterschiedliche Dinge. Das eine ist ein Wochenendprojekt mit Schraubendreher und Lötkolben, das andere ein Handwerk, das man normalerweise drei Jahre lang lernt.

Der Bausatz. Du bekommst einen fertig gefrästen Korpus, einen bundierten Hals, Hardware und Elektronik. Deine Arbeit besteht aus Schleifen, Oberflächenbehandlung, Montage und Löten. Kein Werkzeug außer Standardhandwerkszeug nötig, kein Fehler, der nicht korrigierbar wäre.

Der Selbstbau von null. Du wählst Hölzer aus, sägst den Korpus, fräst die Fächer, setzt Bünde, schneidest den Sattel. Bei der Akustikgitarre kommt das Biegen der Zargen dazu und das Schnitzen der Deckenbeleistung. Das ist Instrumentenbau, kein Zusammenbau.

Unten geht es um beide Wege, der Schwerpunkt liegt auf dem Bausatz, weil er für die meisten der realistische ist.

Was in einem E-Gitarren-Bausatz steckt

Ein typisches Kit in Stratocaster- oder Telecaster-Form enthält:

TeilZustand ab WerkWas du damit tust
KorpusGefräst, unbehandelt, meist Linde oder PappelSchleifen und Oberfläche auftragen
HalsBundiert, mit Sattel, unbehandeltSchleifen, ölen oder lackieren
MechanikenLose beiliegendEinsetzen und verschrauben
TonabnehmerVorverkabelt oder loseIns Schlagbrett setzen, verlöten
Potis, Schalter, BuchseLoseVerlöten und einbauen
Steg bzw. TremoloLose, Löcher vorgebohrtMontieren
SaitenMeist ein einfacher Satz dabeiAufziehen

Was fast nie dabei ist: brauchbarer Lack, Schleifpapier und ein Saitensatz, den man behalten will. Rechne diese Posten von vornherein mit ein.

Der ehrliche Zeitplan

Die Montage ist schnell. Was dauert, ist die Oberfläche.

  1. Schleifen (2 bis 4 Stunden). Korpus und Hals mit aufsteigender Körnung, 120 → 180 → 240. Hier entscheidet sich, wie die Gitarre später aussieht. Jeder Kratzer, den du jetzt übersiehst, bleibt unter Klarlack für immer sichtbar.
  2. Oberfläche auftragen (1 bis 3 Wochen). Bei Lack: grundieren, zwischenschleifen, Farbe, Klarlack, jeweils mit Trockenzeit. Bei Öl: zwei bis drei Aufträge, deutlich schneller, dafür weniger Schutz.
  3. Polieren (2 bis 3 Stunden). Nur bei Lack, mit Schleifpaste in mehreren Stufen.
  4. Montage (2 bis 4 Stunden). Hals anschrauben, Hardware setzen, Elektronik einbauen.
  5. Setup (1 bis 2 Stunden). Halsstab justieren, Saitenlage einstellen, Oktavreinheit prüfen. Das ist der Schritt, der über bespielbar oder nicht entscheidet.

Reine Arbeitszeit: ein bis zwei Wochenenden. Kalenderzeit inklusive Trocknen: drei bis fünf Wochen.

Wo die meisten Projekte scheitern

Selten am Zusammenbau, meistens an drei Stellen, an denen Erfahrung fehlt.

Die Halsausrichtung. Bei geschraubten Hälsen sitzt der Hals nicht immer perfekt in der Tasche. Steht er schief, laufen die Saiten seitlich vom Griffbrett. Prüf das vor dem Lackieren: Hals provisorisch anschrauben, äußere Saiten spannen und schauen, ob sie mittig laufen. Ist die Halstasche etwas zu weit, korrigierst du das mit dünnem Furnier an der Seitenwand. Ein Furnierstreifen am Boden der Tasche (Shim) verändert dagegen den Halswinkel. Den brauchst du, wenn sich die Saitenlage am Steg nicht tief oder hoch genug einstellen lässt.

Das Löten. Die Elektronik ist der Punkt, an dem Neulinge aufgeben. Zwei Regeln lösen fast alle Probleme: Der Lötkolben muss heiß genug sein (30 bis 40 Watt, nicht der 15-Watt-Stift), und die Lötstelle wird erhitzt, nicht das Lot. Wer das Zinn auf den Kolben tropft statt auf die erhitzte Stelle, bekommt kalte Lötstellen, die knacken und aussetzen. Wie die Schaltung aufgebaut ist, steht in den Grundlagen der E-Gitarren-Elektronik.

Das Setup. Ein Bausatz kommt nie spielfertig. Halsstab, Saitenlage und Oktavreinheit müssen eingestellt werden, sonst schnarrt oder klemmt es. Das ist keine Zauberei, aber es braucht eine Anleitung. Die steht unter das perfekte Setup und Bundreinheit und Oktavreinheit einstellen.

Rechnet sich das?

Preislich nicht, und das sollte man vorher wissen.

Ein Bausatz für 150 Euro plus 60 Euro Material plus ein anständiger Saitensatz landet bei rund 230 Euro. Dafür bekommst du eine fertige Squier oder Harley Benton mit besserer Hardware, die sofort spielbar ist.

Der Gewinn liegt woanders:

  • Du verstehst danach, wie eine E-Gitarre funktioniert. Wer einmal selbst gelötet und eingestellt hat, kann an jeder Gitarre Tonabnehmer tauschen und ein Setup machen.
  • Die Optik ist deine. Ein Bausatz ist die einzige bezahlbare Möglichkeit, eine Gitarre in genau der Farbe zu bekommen, die du willst. Ideen dazu stehen unter Custom Paint Jobs für E-Gitarren.
  • Es macht Spaß. Für die meisten, die einen Bausatz kaufen, ist das der eigentliche Grund.

Akustikgitarre: die andere Liga

Bausätze für Akustikgitarren gibt es, aber sie sind kein vergleichbares Wochenendprojekt. Der Unterschied liegt in der Statik: Bei der E-Gitarre hält ein massiver Holzklotz den Saitenzug, bei der Akustikgitarre eine drei Millimeter dünne Decke, deren Beleistung über Klang und Haltbarkeit entscheidet.

Zu tun ist unter anderem: Zargen unter Hitze biegen, Decke und Boden mit Beleistung versehen, den Korpus verleimen, den Hals einpassen und den Steg exakt positionieren. Schon eine Abweichung von wenigen Millimetern an der Stegposition macht die Oktavreinheit hörbar unsauber, und korrigieren lässt sich das nur mit viel Aufwand.

Realistisch sind 80 bis 150 Stunden, dazu Zwingen, Biegeeisen und eine Form. Wer das ernsthaft angehen will, findet den Einstieg unter Anleitung zum Selbstbau einer Akustikgitarre. Den ersten Versuch solltest du als Lernstück sehen, nicht als fertiges Instrument.

Werkzeugliste für den Bausatz

  • Schraubendreher, Kreuz und Schlitz, in mehreren Größen
  • Inbusschlüssel-Satz (für Halsstab und Reitereinstellung)
  • Seitenschneider für die Saiten
  • Lötkolben 30 bis 40 Watt plus Elektroniklot
  • Schleifpapier in Körnung 120, 180, 240, bei Lack zusätzlich 400 bis 2000 in Nassvariante
  • Malerkrepp
  • Ein Stimmgerät fürs abschließende Setup
  • Fühlerlehre oder Lineal für die Saitenlage

Nicht nötig: Fräse, Bandsäge, Bundierwerkzeug. Das kommt erst beim Bau von null ins Spiel.

Häufige Fragen

Was kostet ein Gitarrenbausatz?

E-Gitarren-Bausätze in Strat- oder Tele-Form beginnen im Bereich von 100 bis 150 Euro, bessere Kits mit brauchbarer Hardware liegen bei 200 bis 300 Euro. Dazu kommen Verbrauchsmaterial für die Oberfläche (Schleifpapier, Grundierung, Lack oder Öl) mit rund 40 bis 80 Euro. Akustikgitarren-Bausätze sind deutlich teurer und deutlich anspruchsvoller.

Wie lange dauert es, eine Gitarre aus einem Bausatz zu bauen?

Die Montage selbst ist an einem Wochenende zu schaffen. Der Zeitfresser ist die Oberfläche: Schleifen, Grundieren, Lackieren und Zwischentrocknen ziehen sich über zwei bis vier Wochen, weil jede Lackschicht durchhärten muss. Wer ölt statt lackiert, ist in wenigen Tagen fertig.

Welches Werkzeug brauche ich für einen Gitarrenbausatz?

Schraubendreher in mehreren Größen, Inbusschlüssel, Seitenschneider für die Saiten, Lötkolben mit etwa 30 bis 40 Watt für die Elektronik, Schleifpapier in mehreren Körnungen und ein Stimmgerät. Eine Ständerbohrmaschine ist bei den meisten Kits nicht nötig, weil die Löcher vorgebohrt sind.

Lohnt sich ein Bausatz gegenüber einer fertigen Gitarre?

Preislich nicht. Für das Geld eines guten Bausatzes plus Material bekommst du eine fertige Einsteigergitarre mit besserer Hardware. Der Reiz liegt woanders: eigene Optik, Verständnis für den Aufbau des Instruments und die Erfahrung, ein Setup selbst gemacht zu haben.

Kann man eine Akustikgitarre selber bauen?

Ja, aber das ist ein anderes Projekt. Bei der E-Gitarre schraubst du vorgefertigte Teile zusammen, bei der Akustikgitarre biegst du Zargen, verleimst Decke und Boden und schnitzt die Beleistung. Realistisch sind 80 bis 150 Arbeitsstunden und Werkzeug, das über den Hausgebrauch hinausgeht.

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