Gitarren-Tabs lesen
Von GuitarGuy
Eine Tabulatur besteht aus sechs waagerechten Linien – eine je Saite. Die Zahlen darauf sagen, in welchem Bund du greifst. Die unterste Linie ist dabei die dickste Saite, die tiefe E-Saite. Wer das einmal verinnerlicht hat, kann jede Tabulatur lesen, ohne Noten zu können.
So sieht eine Tabulatur aus
e|-----------------0-----|
H|---------------0---0---|
G|-------------1-------1-|
D|-----------2-----------|
A|-------0-2-------------|
E|---------------------- | Gelesen von links nach rechts: leere A-Saite, A-Saite 2. Bund, D-Saite 2. Bund, G-Saite 1. Bund, leere hohe E-Saite. Das ist der Anfang einer aufsteigenden Tonleiter.
Die Saitenzuordnung: der häufigste Anfängerfehler
Ganz links steht die Saitenbezeichnung, von unten nach oben: E, A, D, G, H, e. Das entspricht der Standardstimmung von der dicksten zur dünnsten Saite.
Verwirrend ist, dass die Tabulatur damit gespiegelt zur Sicht auf das eigene Instrument ist. Wenn du beim Spielen nach unten auf die Gitarre schaust, liegt die dicke E-Saite oben. In der Tabulatur liegt sie unten. Der Grund ist musikalisch: Tabulaturen folgen der Notenschrift, in der tiefe Töne unten stehen.
Was die Zahlen bedeuten
- 0 – leere Saite anschlagen, kein Finger.
- 1 bis 24 – der Bund, in dem gegriffen wird.
- x – Saite abgedämpft anschlagen oder gar nicht spielen.
- Zahlen nebeneinander – nacheinander spielen, von links nach rechts.
- Zahlen übereinander – gleichzeitig anschlagen. Das ist ein Akkord.
Akkorde in der Tabulatur
Ein Akkord steht als senkrechte Zahlenspalte. Diese Spalte zum Beispiel ist C-Dur:
e|--0--|
H|--1--|
G|--0--|
D|--2--|
A|--3--|
E|--x--|
C Von unten gelesen: tiefe E-Saite abgedämpft, A-Saite 3. Bund, D-Saite 2. Bund, G-Saite leer, H-Saite 1. Bund, hohe E-Saite leer. Genau das ist der C-Dur-Grundgriff. Wie er aussieht, zeigt die Akkordseite zu C-Dur.
Die Zeichen für Spieltechniken
Zwischen den Zahlen stehen Buchstaben und Symbole. Sie sagen, wie der Ton erzeugt wird:
| Zeichen | Technik | Was passiert |
|---|---|---|
| h | Hammer-on | Zweiten Ton anschlagsfrei erzeugen, indem der Finger auf den höheren Bund schlägt. |
| p | Pull-off | Umgekehrt: Der Finger zieht die Saite beim Loslassen leicht an, der tiefere Ton klingt. |
| b | Bending | Saite seitlich ziehen, damit der Ton nach oben gleitet. Oft mit Zielton, z. B. 7b9. |
| r | Release | Das Bending zurückführen, der Ton fällt wieder auf die Ausgangshöhe. |
| / | Slide aufwärts | Vom tieferen zum höheren Bund rutschen, ohne neu anzuschlagen. |
| \ | Slide abwärts | Dasselbe in die Gegenrichtung. |
| ~ | Vibrato | Den gegriffenen Ton durch schnelles Wackeln in der Höhe schwanken lassen. |
| x | Dead Note | Saite abgedämpft anschlagen – klingt perkussiv, ohne Tonhöhe. |
| PM | Palm Mute | Handballen liegt am Steg auf, der Ton wird kurz und trocken. |
| ( ) | Ghost Note | Ton klingt vom vorherigen Anschlag weiter, wird nicht neu angeschlagen. |
| NH / AH | Flageolett | Natürliches oder künstliches Flageolett – Saite nur berühren, nicht drücken. |
Ein Beispiel: 5h7p5 auf einer Linie heißt – 5. Bund
anschlagen, mit einem Hammer-on auf den 7. Bund, dann per Pull-off
zurück auf den 5. Alles mit einem einzigen Anschlag.
Die große Schwäche der Tabulatur
Eine reine Tabulatur enthält keinen Rhythmus. Sie sagt, welche Töne kommen, aber nicht, wie lang sie sind oder wo die Betonung liegt. Deshalb funktionieren Tabs nur bei Songs, die man kennt oder parallel hört.
Es gibt zwei Auswege. Erstens: Tabulatur mit Notensystem darüber – so drucken es die meisten Verlage, weil die Noten den Rhythmus liefern und die Tabulatur den Griff. Wer diese Kombination lesen will, braucht Grundkenntnisse in Notenschrift. Zweitens: Tabulatur-Software, die den Song gleichzeitig abspielt.
Tabs im Netz: worauf achten
- Mehrere Versionen vergleichen. Nutzergenerierte Tabs sind oft heraushörend erstellt und enthalten Fehler. Bewertungen helfen weiter.
- Auf die Stimmung achten. Steht über dem Tab „Eb tuning" oder „Drop D", musst du erst umstimmen – sonst klingt alles falsch. Unser Stimmgerät deckt die gängigen Stimmungen ab.
- Kapodaster-Angabe suchen. Viele Tabs setzen einen Kapo voraus, ohne das prominent zu erwähnen.
- Rechtliches. Von Nutzern transkribierte Tabs urheberrechtlich geschützter Songs sind eine Grauzone. Lizenzierte Anbieter zahlen Tantiemen an die Urheber.
Häufige Fragen
Was sind Gitarren-Tabs?
Tabs, kurz für Tabulatur, sind eine Notationsform speziell für Saiteninstrumente. Sechs waagerechte Linien stehen für die sechs Saiten, die Zahlen darauf für den Bund, in dem gegriffen wird. Eine 3 auf der untersten Linie heißt: tiefe E-Saite im 3. Bund greifen.
Wie liest man Gitarren-Tabs richtig herum?
Die unterste Linie ist die dickste Saite, die tiefe E-Saite. Die oberste Linie ist die dünne hohe E-Saite. Das ist genau umgekehrt zur Sicht auf die Gitarre, wenn man beim Spielen nach unten schaut – ein Umstand, der Anfänger regelmäßig verwirrt.
Was bedeuten h, p, b und / in Tabs?
Es sind Spieltechniken: h steht für Hammer-on, p für Pull-off, b für Bending, / und \ für Slides nach oben oder unten, ~ für Vibrato und x für eine abgedämpfte Saite. Die vollständige Zeichenliste steht auf dieser Seite.
Was ist der Unterschied zwischen Tabs und Noten?
Tabs sagen, wo du greifen sollst, Noten sagen, welcher Ton erklingen soll. Tabs sind dadurch sofort umsetzbar, verraten aber nichts über Rhythmus und Notenlänge. Noten enthalten die Rhythmik, lassen aber offen, an welcher Stelle des Griffbretts du den Ton greifst – auf der Gitarre gibt es denselben Ton an bis zu fünf Stellen.
Wo finde ich kostenlose Gitarren-Tabs?
In den großen Onlinearchiven, die überwiegend von Nutzern gefüllt werden. Die Qualität schwankt stark: Bei populären Songs helfen Bewertungen und die Anzahl der Versionen weiter. Rechtlich sind vom Nutzer transkribierte Tabs eine Grauzone, lizenzierte Anbieter sind die sichere Variante.