Gitarrenarten im Vergleich
Die erste Kaufentscheidung ist nicht die Marke, sondern die Bauart. Sie legt fest, wie das Instrument klingt, wie es sich greift und was du damit spielen kannst. Unten stehen 16 Arten mit Steckbrief und Erkennungsmerkmalen – die Vergleichstabelle direkt darunter zeigt die Unterschiede auf einen Blick.
Alle Arten auf einen Blick
Sortiert nach Gruppe. Die Mensur ist der Abstand zwischen Sattel und Steg und bestimmt, wie weit die Griffe auseinanderliegen.
| Gitarrenart | Saiten | Saitenart | Mensur | Ab etwa |
|---|---|---|---|---|
| Konzertgitarre | 6 | Nylon | rund 65 cm | ab rund 80 € |
| Westerngitarre | 6 | Stahl | rund 63 bis 65 cm | ab rund 100 € |
| Dreadnought | 6 | Stahl | rund 64,5 cm | ab rund 120 € |
| Parlor-Gitarre | 6 | Stahl | rund 61 bis 63 cm | ab rund 150 € |
| Flamenco-Gitarre | 6 | Nylon | rund 65 cm | ab rund 200 € |
| Zwölfsaitige Gitarre | 12 (6 Paare) | Stahl | rund 63 cm, oft etwas kürzer als sechssaitig | ab rund 200 € |
| Resonatorgitarre | 6 | Stahl | rund 63 bis 65 cm | ab rund 250 € |
| Bassgitarre | 4 (auch 5 oder 6) | Stahl, umsponnen | rund 86 cm (Longscale) | ab rund 130 € |
| Halbakustik-Gitarre | 6 | Stahl | rund 62,8 cm | ab rund 250 € |
| Jazzgitarre | 6 | Stahl, oft Flatwounds | rund 62,8 bis 64,8 cm | ab rund 400 € |
| Baritongitarre | 6 (auch 7) | Stahl, dickere Sätze | rund 68 bis 71 cm | ab rund 350 € |
| Doppelhalsgitarre | 18 (6 + 12), auch 6 + 4 oder 6 + 6 | Stahl | meist 62,8 cm auf beiden Hälsen | ab rund 700 € |
| Hawaiigitarre & Lap Steel | 6 bis 8 | Stahl | rund 57 bis 63 cm | ab rund 150 € |
| Linkshänder-Gitarre | 6 | je nach Bauart | wie beim Rechtshändermodell | meist 10 bis 20 % Aufschlag gegenüber dem Rechtshändermodell |
| Reisegitarre & kleine Gitarren | 6 | Stahl oder Nylon | rund 58 bis 63 cm | ab rund 100 € |
| Gitarrengrößen: 1/4, 1/2, 3/4 und 4/4 | 6 | meist Nylon bei kleinen Größen | 48 cm (1/4) bis 65 cm (4/4) | ab rund 60 € |
Akustik- & Konzertgitarren
Instrumente, die ohne Verstärker klingen. Der wichtigste Unterschied liegt nicht in der Marke, sondern in der Saitenart: Nylon oder Stahl.
Konzertgitarre
Nylonsaiten, breiter Hals, flaches Griffbrett – das Instrument des klassischen Unterrichts.
Westerngitarre
Stahlsaiten, schmalerer Hals, lauter Klang – die Standardgitarre für Songbegleitung.
Dreadnought
Die große, kastenförmige Westerngitarre mit dem tiefsten Bassfundament.
Parlor-Gitarre
Kleiner Korpus, schmale Taille – die Salongitarre des 19. Jahrhunderts, heute für Fingerstyle beliebt.
Flamenco-Gitarre
Wie eine Konzertgitarre gebaut, aber leichter, flacher und mit perkussivem Biss.
Zwölfsaitige Gitarre
Sechs Saitenpaare statt sechs Einzelsaiten – ein voller, schwebender Chorusklang.
Resonatorgitarre
Ein Metallkonus statt einer Holzdecke – der metallische, nasale Klang des Delta Blues.
Elektrische Gitarren & Bässe
Instrumente, die einen Verstärker brauchen. Hier entscheidet die Korpusbauweise darüber, wie viel Verzerrung möglich ist, bevor es zurückkoppelt.
Bassgitarre
Vier dicke Saiten, lange Mensur, eine Oktave tiefer – das Fundament jeder Band.
Halbakustik-Gitarre
Hohler Korpus mit Mittelblock – warmer Ton ohne die Rückkopplungsprobleme der Vollresonanz.
Jazzgitarre
Vollhohler Archtop-Korpus mit gewölbter Decke – der dunkle, runde Ton des Jazz.
Baritongitarre
Längere Mensur, tiefere Stimmung – zwischen Gitarre und Bass.
Sonderformen & Formate
Bauarten für besondere Zwecke – von der Spielhaltung über die Größe bis zur Händigkeit.
Doppelhalsgitarre
Zwei Hälse an einem Korpus – meist sechs- und zwölfsaitig, für den Wechsel ohne Instrumentenwechsel.
Hawaiigitarre & Lap Steel
Flach im Schoß liegend, mit Metallstab statt Fingern gegriffen – der gleitende Ton der Inselmusik.
Linkshänder-Gitarre
Spiegelverkehrt gebaut – Hals in der rechten Hand, angeschlagen mit links.
Reisegitarre & kleine Gitarren
Verkleinerter Korpus, volle Mensur oder kurz – für Rucksack, Zug und kleine Wohnungen.
Gitarrengrößen: 1/4, 1/2, 3/4 und 4/4
Welche Gitarrengröße zu welcher Körpergröße passt – die Tabelle für Kinder und Erwachsene.
Die drei Fragen, die die Bauart festlegen
- Nylon oder Stahl? Nylonsaiten sind weicher und tun den Fingerkuppen weniger weh, klingen aber leiser und runder. Stahlsaiten sind lauter und brillanter, schneiden am Anfang aber spürbar in die Finger. Das entscheidet zwischen Konzert- und Westerngitarre.
- Mit oder ohne Verstärker? Eine E-Gitarre ohne Verstärker ist ein halbes Instrument. Rechne 100 bis 200 Euro für einen Übungsamp ins Budget ein – oder nimm ein Interface mit Kopfhörer, wenn die Nachbarn nah sind.
- Wie groß bist du und wie sitzt du? Die Dreadnought ist die lauteste Akustikform, aber im Sitzen für viele zu wuchtig. Die Parlor und die Grand-Auditorium-Form sind bequemer bei nur wenig weniger Klang. Für Kinder gibt es abgestufte Größen.
Was die Bauart nicht entscheidet
Die Akkorde sind auf jeder sechssaitigen Gitarre dieselben. Wer auf der Konzertgitarre gelernt hat, kann dieselben Griffe auf der E-Gitarre spielen – nur der Halsbreite muss sich die Hand neu gewöhnen. Der Wechsel zwischen den Arten ist deshalb weit weniger dramatisch, als es beim ersten Kauf scheint.
Ebenfalls unabhängig von der Bauart: Jede Gitarre muss gestimmt sein. Standard ist überall E – A – D – G – H – E, nur der Bass und die Baritongitarre weichen ab. Unser Online-Stimmgerät deckt alle gängigen Stimmungen ab.
Häufige Fragen
Welche Gitarrenart ist die richtige für Anfänger?
Das hängt vor allem daran, was du spielen willst. Für klassische Stücke und für Kinder die Konzertgitarre mit Nylonsaiten – sie tut den Fingerkuppen am wenigsten weh. Für Liedbegleitung und Lagerfeuer die Westerngitarre. Für Rock und Pop die E-Gitarre, dann aber Verstärker gleich mit einplanen.
Was ist der Unterschied zwischen Konzert- und Westerngitarre?
Die Saitenart. Die Konzertgitarre hat Nylonsaiten, einen breiten flachen Hals und wird gezupft. Die Westerngitarre hat Stahlsaiten, einen schmaleren gewölbten Hals und wird meist mit Plektrum geschlagen. Beide sind Akustikgitarren, klingen aber völlig verschieden.
Kann man auf einer E-Gitarre ohne Verstärker spielen?
Man hört sie, aber sehr leise – zum Üben von Griffen reicht das. Für alles Weitere braucht es einen Verstärker oder ein Interface mit Kopfhörer. Anders als bei der Akustikgitarre gehört die Verstärkung fest zum Instrument.
Wie viele Gitarrenarten gibt es?
Es gibt keine feste Zahl, weil sich Bauformen überlappen. Sinnvoll unterscheidbar sind etwa zwei Dutzend: nach Saitenart (Nylon oder Stahl), nach Korpus (massiv, hohl, halbhohl), nach Korpusform (Dreadnought, Parlor, Jumbo) und nach Spezialisierung (Bariton, zwölfsaitig, Resonator). Diese Seite deckt die verbreitetsten ab.