Wie man das Vibrato meistert
Von GuitarGuy Veröffentlicht am
Die Meisterschaft des Vibratos ist eine wichtige Fähigkeit für Musiker, insbesondere für Gitarristen. Vibrato verleiht den gespielten Noten mehr Ausdruck und Tiefe.
Vibrato ist eine gleichmäßige, leichte Schwankung der Tonhöhe um einen gehaltenen Ton. Auf der Gitarre gibt es drei Wege dahin: das Finger-Vibrato aus dem Handgelenk, bei dem du die Saite quer zum Hals bewegst, das klassische Vibrato längs der Saite auf der Konzertgitarre und das Vibrato mit dem Vibrato-Arm. Hier lernst du alle drei, dazu Übungen mit Metronom und die typischen Fehler.
Wichtige Erkenntnisse
- Beim Finger-Vibrato kommt die Bewegung aus dem Handgelenk und dem Unterarm, nicht aus dem Finger.
- Das klassische Vibrato auf der Konzertgitarre bewegt den Finger längs der Saite und klingt dezenter.
- Mit einem Vibrato-Arm veränderst du die Tonhöhe über die Brücke, für alle Saiten gleichzeitig.
- Übe Tempo und Breite getrennt, am besten mit Metronom und Stimmgerät.
- Ein gutes Vibrato kehrt immer genau zur Ausgangstonhöhe zurück.
Was ist Vibrato?
Beim Vibrato schwankt die Tonhöhe eines Tons regelmäßig ein wenig nach oben (und je nach Technik auch nach unten). Der Ton klingt dadurch lebendiger, ähnlich wie bei einer Sängerin, die einen langen Ton hält. Zwei Größen bestimmen den Charakter:
- Breite: Wie weit sich die Tonhöhe verändert, von einem kaum hörbaren Viertelton bis zu einem Ganzton.
- Tempo: Wie oft pro Sekunde die Tonhöhe hin und her geht.
Nicht verwechseln solltest du Vibrato mit Tremolo. Tremolo ist eigentlich eine Schwankung der Lautstärke. Dass der Hebel an der Stratocaster “Tremolo” heißt, ist eine historische Fehlbezeichnung von Fender: Technisch erzeugt er ein Vibrato.
Finger-Vibrato aus dem Handgelenk
Das Finger-Vibrato ist die Standardtechnik auf der E-Gitarre und der Westerngitarre. Du drückst die Saite dabei wie bei einem kleinen Bending quer zum Hals und lässt sie wieder zurück. Die Tonhöhe geht also nur nach oben und dann zurück zum Ausgangston.
So führst du es aus
- Greif den Ton mit dem Ringfinger und leg Zeige- und Mittelfinger dahinter auf dieselbe Saite. Die Finger stützen sich gegenseitig.
- Leg das Grundgelenk des Zeigefingers an die Unterkante des Halses. Diese Stelle ist dein Drehpunkt. Der Daumen darf dabei locker über die obere Halskante schauen.
- Dreh die Hand aus dem Handgelenk und dem Unterarm, ähnlich wie beim Öffnen eines Türknaufs. Der Finger selbst bleibt fest, er wird von der Drehung mitgenommen.
- Auf der G-, H- und hohen E-Saite schiebst du die Saite dabei Richtung Decke. Auf der tiefen E-Saite ziehst du sie besser Richtung Boden, sonst rutscht sie vom Griffbrett.
- Lass die Saite nach jeder Bewegung vollständig auf den Ausgangston zurück.
Bekannt für ein unverwechselbares Finger-Vibrato ist zum Beispiel B.B. King, der es mit schnellem, zitterndem Handgelenk spielte und den Daumen dabei vom Hals nahm. Das andere Extrem ist das sehr breite, langsame Vibrato vieler Metal-Gitarristen wie Zakk Wylde.
Vibrato auf einem gezogenen Ton
Nach einem Bending hältst du die Saite auf der neuen Tonhöhe und lässt sie im Rhythmus des Vibratos ein Stück nach und ziehst sie wieder hoch. Das ist schwieriger, weil der Ton im oberen Punkt jeweils genau auf der Zieltonhöhe landen muss. Übe es erst, wenn dein normales Finger-Vibrato gleichmäßig läuft.
Klassisches Vibrato längs der Saite
Auf der Konzertgitarre spielt man Vibrato meist anders: Der Finger bewegt sich nicht quer zur Saite, sondern die ganze Hand wiegt längs der Saite leicht Richtung Kopfplatte und Richtung Korpus. Dadurch ändert sich die Spannung der Saite minimal, und der Ton schwankt ganz leicht um die Ausgangstonhöhe.
- Greif den Ton mit der Fingerkuppe, ohne mehr Druck als nötig.
- Nimm den Daumen etwas vom Hals, damit die Hand frei schwingen kann.
- Bewege Hand und Unterarm gleichmäßig parallel zur Saite. Der Finger bleibt auf der Stelle und rollt nur ein wenig auf der Kuppe.
Das klassische Vibrato ist deutlich dezenter als das Finger-Vibrato. Am besten funktioniert es etwa zwischen dem 5. und 12. Bund, in den ersten Lagen ist die Wirkung sehr gering. Auf Nylonsaiten klingt es besser als auf Stahlsaiten, weil diese sich leichter dehnen lassen.
Vibrato mit dem Vibrato-Arm
Viele E-Gitarren haben einen Vibrato-Arm, oft Tremolo oder Whammy Bar genannt. Er verändert über die Brücke die Spannung aller Saiten gleichzeitig. Die wichtigsten Systeme:
- Synchronized Tremolo (Stratocaster-Stil): Das klassische System, mehr zur Vielseitigkeit der Strat in unserem Artikel Warum die Stratocaster so vielseitig ist. Du kannst die Tonhöhe vor allem absenken, bei schwebend eingestellter Brücke auch etwas anheben.
- Floyd Rose: Ein Klemmsystem mit Sattelklemme und Feinstimmern. Es bleibt auch bei extremen Bewegungen gut in Stimmung und erlaubt meist Tonhöhenänderungen nach oben und unten.
- Bigsby: Ein Saitenhalter mit Federhebel, typisch für Gretsch- und Semi-Akustik-Gitarren. Er ist für dezente, weiche Schwankungen gedacht.
So spielst du das Vibrato mit dem Arm:
- Halte den Arm locker zwischen kleinem Finger und Handkante, während du mit dem Plektrum anschlägst. So musst du nach dem Anschlag nicht umgreifen.
- Drück den Arm in kleinen, gleichmäßigen Bewegungen leicht nach unten und lass ihn wieder zurück.
- Fang mit sehr kleinen Ausschlägen an. Schon ein paar Millimeter reichen für ein hörbares Vibrato.
Verstimmt sich die Gitarre nach dem Einsatz des Arms, liegt das oft an klemmenden Saiten im Sattel oder an nicht gedehnten neuen Saiten. Etwas Graphit in den Sattelkerben und gut gedehnte Saiten helfen.
Übungen mit Metronom
Ohne feste Referenz wird ein Vibrato schnell unregelmäßig. Ein Metronom zwingt dich, das Tempo bewusst zu steuern.
- Tempo-Stufen: Stell das Metronom auf 60 BPM. Spiel einen Ton auf der G-Saite am 7. Bund und mach genau eine Auf-und-ab-Bewegung pro Schlag. Danach zwei pro Schlag (Achtel), drei (Triolen) und vier (Sechzehntel). Bleib auf jeder Stufe, bis sie gleichmäßig läuft.
- Breite kontrollieren: Spiel den Ton am 8. Bund, dann greif den 7. Bund und zieh im Vibrato jeweils bis zur Tonhöhe des 8. Bundes und zurück. Das ist ein Halbton-Vibrato. Für ein Ganzton-Vibrato nimmst du den 9. Bund als Ziel. Ein Stimmgerät zeigt dir, ob du die Zieltonhöhe triffst.
- Jeder Finger einzeln: Wiederhol Übung 1 mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger. Der Zeigefinger ist am schwierigsten, weil ihm die Stützfinger fehlen.
- Verzögertes Vibrato: Schlag den Ton an, halte ihn einen Schlag lang gerade und setz erst dann das Vibrato ein. Das klingt sanglich und ist im Blues sehr verbreitet.
- Im Lick: Nimm ein kurzes Lick aus der Pentatonik und spiel nur den letzten, langen Ton mit Vibrato.
Plane dafür jeden Tag fünf bis zehn Minuten ein. Ein gleichmäßiges Vibrato braucht meist mehrere Wochen.
Typische Fehler
- Bewegung aus dem Finger: Wer nur den Finger beugt, ermüdet schnell und bekommt ein zittriges Vibrato. Die Kraft kommt aus der Drehung von Handgelenk und Unterarm.
- Kein Rückweg zum Grundton: Die Saite bleibt zwischen den Bewegungen leicht gezogen, der Ton klingt dann insgesamt zu hoch. Lass sie jedes Mal ganz zurück.
- Zu schnell und zu eng: Ein nervöses, sehr schnelles Vibrato klingt schnell unruhig. Übe zuerst langsam und breit genug, dass man es klar hört.
- Vibrato auf jedem Ton: Setz es gezielt auf lange Töne und Höhepunkte einer Phrase.
- Mitklingende Nachbarsaiten: Beim Ziehen streift der Finger oft andere Saiten an. Dämpfe sie mit den übrigen Fingern der Greifhand oder mit dem Handballen der Anschlagshand.
- Verkrampfter Daumen: Presst der Daumen den Hals zu fest, wird die Drehung blockiert. Halte ihn locker.
Nimm dich ab und zu beim Üben auf. Ob dein Vibrato gleichmäßig ist, hörst du auf der Aufnahme viel besser als beim Spielen selbst. Weitere Techniken, mit denen sich Vibrato gut kombinieren lässt, findest du bei den fortgeschrittenen Spieltechniken und in unserer Übersicht der besten Spieltechniken.
Fazit
Das Finger-Vibrato aus dem Handgelenk ist die Technik, die du auf E- und Westerngitarre am häufigsten brauchst. Auf der Konzertgitarre ergänzt oder ersetzt es das klassische Vibrato längs der Saite, und mit einem Vibrato-Arm erweiterst du die Möglichkeiten auf der E-Gitarre. Fang langsam an, kontrollier Tempo mit dem Metronom und Breite mit dem Stimmgerät, und achte darauf, dass jeder Ton sauber zum Grundton zurückkehrt. Den eigenen Charakter bekommt dein Vibrato erst mit der Zeit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Vibrato auf der Gitarre?
Vibrato ist eine regelmäßige, leichte Schwankung der Tonhöhe eines gehaltenen Tons. Auf der Gitarre erzeugst du es mit der Greifhand, indem du die Saite quer oder längs bewegst, oder mit einem Vibrato-Arm an der Brücke.
Was ist der Unterschied zwischen Vibrato und Tremolo?
Vibrato verändert die Tonhöhe, Tremolo die Lautstärke. Der “Tremolo-Arm” an vielen E-Gitarren erzeugt trotz seines Namens ein Vibrato.
Mit welchem Finger spiele ich Vibrato?
Am leichtesten geht es mit dem Ringfinger, gestützt von Zeige- und Mittelfinger. Langfristig solltest du Vibrato mit allen Fingern der Greifhand üben, auch mit dem Zeigefinger.
Brauche ich eine Gitarre mit Vibrato-Arm?
Nein. Finger-Vibrato und klassisches Vibrato funktionieren auf jeder Gitarre. Ein Vibrato-Arm ist eine Ergänzung für bestimmte Sounds, etwa für Surf, Rock oder Metal.
Wie lange dauert es, Vibrato zu lernen?
Die Bewegung verstehst du an einem Tag. Bis ein Vibrato gleichmäßig und kontrolliert klingt, vergehen bei täglichem Üben meist einige Wochen.
Das könnte dich auch interessieren
Fortgeschrittene Spieltechniken für Akustikgitarrenspieler
In diesem Artikel werden wir uns mit fortgeschrittenen Spieltechniken für Akustikgitarristen beschäftigen. Egal, ob du dein Fingerpicking verbessern oder komplexe Akkorde meistern
Die besten Spieltechniken für Akustikgitarren
In diesem Artikel werden wir die besten Spieltechniken für Akustikgitarren erkunden. Egal, ob du ein Anfänger oder ein fortgeschrittener Spieler bist, diese
Innovative Techniken im modernen Gitarrenspiel
In der Welt des Gitarrenspiels gibt es ständig neue und aufregende Techniken, die das Spielen auf der Gitarre bereichern. Diese innovativen Gitarrentechniken
Wie man ein Gitarrensolo schreibt
Das Schreiben eines Gitarrensolos kann eine spannende und kreative Herausforderung sein. In diesem Artikel werden wir die wichtigsten Punkte besprechen, die dir
Wie man Skalen auf der Gitarre lernt
Das Lernen von Skalen auf der Gitarre ist ein wichtiger Schritt für jeden Gitarristen. Skalen helfen dir, besser zu improvisieren, Songs zu