Zum Inhalt springen
gitarrenwiki

Wie funktioniert eine E-Gitarre?

Von Aktualisiert am

Tonabnehmer, Magnetfeld, Saitenschwingung und Verstärker – so entsteht aus einer schwingenden Saite der typische E-Gitarren-Sound. Einfach erklärt.

Wie funktioniert eine E-Gitarre?

Eine E-Gitarre erzeugt ihren Klang völlig anders als eine Akustikgitarre. Statt eines Resonanzkörpers, der die Saitenschwingung hörbar macht, wandelt sie die Schwingung in ein elektrisches Signal um. Hier ist die Kette Schritt für Schritt.

Die Saite schwingt im Magnetfeld

Die Tonabnehmer (Pickups) bestehen aus Magneten, die von einer feinen Kupferdrahtspule umwickelt sind. Über den Polen baut sich ein Magnetfeld auf. Die Stahlsaiten der E-Gitarre liegen direkt in diesem Feld.

Zupfst du eine Saite, verändert ihre Bewegung das Magnetfeld. Nach dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion entsteht dadurch in der Spule eine kleine Wechselspannung – das Tonsignal.

Vom Signal zum Sound

Dieses schwache Signal läuft über das Gitarrenkabel zum Verstärker. Dort wird es:

  1. vorverstärkt und im Klang geformt (Höhen, Mitten, Bässe),
  2. optional durch Effekte verändert (Verzerrung, Hall, Delay),
  3. in der Endstufe auf Lautsprecher-Pegel gebracht.

Erst der Lautsprecher macht aus dem elektrischen Signal wieder hörbaren Schall.

Warum die Bauteile den Klang prägen

  • Tonabnehmer-Typ: Single-Coils klingen klar und perlig, Humbucker fetter und brummfrei. Mehr dazu im Ratgeber zu den verschiedenen Tonabnehmern.
  • Holz und Konstruktion: beeinflussen Sustain und Grundcharakter.
  • Verstärker und Effekte: prägen den Sound oft stärker als die Gitarre selbst – deshalb lohnt der Ratgeber wie ein Gitarrenverstärker funktioniert.

Kurz zusammengefasst

Saite schwingt → Tonabnehmer wandelt die Schwingung per Induktion in Strom → Kabel → Verstärker formt und verstärkt → Lautsprecher macht den Ton hörbar. Diese Signalkette ist der Grund, warum dieselbe E-Gitarre über verschiedene Amps völlig unterschiedlich klingen kann.

Warum die E-Gitarre überhaupt erfunden wurde

Eine E-Gitarre sorgt über das Abgreifen des erzeugten Signals dafür, dass die erzeugten Töne lauter sind, als es der Klangkörper einer akustischen Gitarre ermöglicht. Das Problem ist, dass akustische Gitarren gerade im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten in der Lautstärke gerne einmal übertönt werden. Wer beispielsweise Konzerte unplugged verfolgt, wird feststellen, dass die instrumentale Untermalung häufig sehr ausgewählt und dezent gestaltet ist.

Das soll nicht nur Atmosphäre erzeugen, sondern vor allem auch dazu beitragen, dass man die Instrumente auch deutlich hören kann. Gerade im Jazz war man früh bemüht, Lösungen dafür zu finden, dass Gitarristen in irgendeiner Form mit den lauten Bläsern mithalten können.

Wie die E-Gitarre auf den Markt kam

Bereits in den 1920er Jahren gab es daher Überlegungen, das Signal der Gitarre elektrisch zu verstärken. Es gab zwar bereits Mikrofone, aber die nahmen auch die anderen Instrumente mit auf und neigten bei höherer Lautstärke zu Rückkopplungen. Erste Modelle in den 1930er Jahren arbeiteten deshalb mit Magneten und Spulen, etwa die „Frying Pan“ von Rickenbacker. Durch das Spielen der Saiten wurde das Magnetfeld geringfügig geändert, was ein Abfangen und die Weiterleitung des erzeugten Signals auf einen Verstärker ermöglichte.

Weiterentwickelt wurde diese Technik vor allem von Gibson und Fender, den bis heute bekanntesten E-Gitarren-Herstellern. Gibson setzte zunächst auf elektrische Gitarren auf Basis akustischer Modelle: Die ES-150 von 1936 war eine Jazzgitarre mit großem, hohlem Klangkörper und eingebautem Tonabnehmer. Fender brachte 1950 mit der Esquire und der Broadcaster, ab 1951 Telecaster genannt, eine schlichte Gitarre mit massivem Korpus und geschraubtem Hals auf den Markt. Sie war die erste Solidbody-E-Gitarre, die in großer Serie gebaut wurde, und fand weltweit Anklang.

Als sich Fenders Telecaster immer weiter etablierte, sah Gibson sich gezwungen, mit einem eigenen Modell zu reagieren. Die Gibson Les Paul war 1952 geboren. Fender wiederum brachte 1954 schließlich die Stratocaster auf den Markt. Telecaster, Les Paul und Stratocaster werden bis heute gebaut und sind die Vorlage für unzählige Nachbauten anderer Hersteller.

Vom Brett mit Saiten zum Sound

Von der Funktion her ist nach wie vor die magnetische Technik Grundlage für die Übertragung des Signals. Da kein Klangkörper bei der Gitarre selbst mehr benötigt wird, ist die Form nahezu unerheblich. Im Grunde genommen genügt ein einfaches Brett mit darauf gespannten Saiten und ein Tonabnehmer mit je einem Stabmagneten pro Saite, um die gemeinsam eine Spule aus feinem Kupferdraht gewickelt ist. Das Spielen der Saite führt zu einer Änderung des Magnetfeldes, was eine kleine Spannung erzeugt. Die Weiterleitung dieses Signals sorgt - vereinfacht ausgedrückt - für die Aufnahme des Tons im Verstärker, der den individuellen Klang der E-Gitarre erzeugt und vor allem auch in seiner Lautstärke einen kräftigen Effekt erzielen kann.

Ursprünglich wurde dabei großer Wert darauf gelegt, die Verzerrung des Tons zu vermeiden. Schließlich wollte man möglichst unbeeinflusst den exakten Klang der Gitarre wiedergeben. Allerdings etablierte sich durch das laute Spielen der Gitarren die Verzerrung im Laufe der Zeit als klassisches Merkmal von E-Gitarren. Daher ist der Unterschied im Klang zwischen Akustik- und E-Gitarren mittlerweile sehr groß. Wer die Verzerrung klassisch aus der Übersteuerung von Röhren holen möchte, setzt auf einen Vollröhrenverstärker. Transistor-, Hybrid- und Modeling-Verstärker sind günstiger im Bau und damit auch in der Anschaffung, leichter und wartungsärmer. Modeling-Amps bilden den Klang übersteuerter Röhren digital nach.

Häufige Fragen

Kann man eine E-Gitarre ohne Verstärker spielen?

Ja, aber sehr leise. Ohne Verstärker hört man nur die akustische Saitenschwingung. Für den typischen Sound braucht es einen Amp oder ein Audio-Interface mit Kopfhörer.

Warum klingt eine E-Gitarre verzerrt?

Verzerrung (Distortion) entsteht, wenn das Signal im Verstärker oder in einem Effektgerät über seinen sauberen Pegel hinaus übersteuert wird. Das erzeugt zusätzliche Obertöne und den drückenden Rock-Sound.

Das könnte dich auch interessieren